Wörterverzeichnis
zu
Heinrich Stoltes
Bauernhof und Mundart in Ravensberg
Hochdeutsch - Plattdeutsch,
Plattdeutsch - Hochdeutsch
bearbeitet und neu herausgegeben
von
Olaf Bordasch
Januar 2007
Im Gegensatz zu vielen anderen niederdeutschen Ortsmundarten ist die Sprache Brockhagens und seiner näheren Umgebung aufgezeichnet worden. Zu verdanken ist das Heinrich Stolte, der in der Nähe Brockhagens aufgewachsen war und selbst das Plattdeutsch von Brockhagen sprach.1
Heinrich Stolte wurde 1858 auf einem Hof in der Bauernschaft Ströhen geboren und verbrachte dort seine Kindheit. Er entschied sich für den Beruf des Lehrers und war später als Leiter der Bielefelder Taubstummenschule tätig. Von seinem pädagogischen Engagement zeugt seine Schrift "Über die Erziehung des Taubstummen". Stolte starb 1935.
1925 veröffentlichte Stolte das Buch Wie schreibe ich die Mundart meiner Heimat? : ein Beitrag zur niederdeutschen Rechtschreibung und Mundartforschung auf der Grundlage der Ravensberger Mundart in Brockhagen und Steinhagen2 , das im Gegensatz zu dem, was der Titel suggeriert, vor allem eine Grammatik der Ortsmundart Brockhagens enthält. 1931 veröffentlichte Stolte eine überarbeitete und erweiterte Version dieses Werkes unter dem Titel "Bauernhof und Mundart in Ravensberg : Beiträge zur niederdeutschen Volkskunde"3 . Neben einer Ortsgrammatik umfasst dieses Werk eine unter dem Titel Der Bauernhof um 1870 zusammengefasste Sammlung plattdeutscher Texte4 aus der Feder Stoltes sowie ein plattdeutsch-hochdeutsches Wörterbuch zu dieser Sammlung.
Stolte hat uns außerdem eine plattdeutsche Übersetzung des Neuen Testaments sowie eine Sammlung mit den Titel Alte bekannte Lieder in Ravensberger Mundart mit 33 Volksliedern, 17 Kirchenliedern und 25 Liedern aus dem Kirchenjahr hinterlassen.5
Stolte war keinesfalls der erste Autor, der sich mit dem Ravensbergischen beschäftigt hat. Vielmehr ist die erste Veröffentlichung zum Ravensberger Platt bereits im 18. Jhd. erschienen6 . Das Werk Stoltes fügt sich in diese Tradition ein. Die von Stolte benutzte Schreibweise ist deutlich von Hermann Jellinghaus beeinflusst, der im 19. Jhd. die erste wissenschaftliche Grammatik7 zum Ravensbergischen verfasst hat.
Ein hochdeutsches-plattdeutsches Wörterverzeichnis fehlt in "Bauernhof und Mundart in Ravensberg". Das hochdeutsche-plattdeutsche Wörterverzeichnis wurde von mir auf Grundlage von Stoltes plattdeutsch-hochdeutschem Verzeichnisses erstellt und ist als Hilfsmittel zum Erlernen des Plattdeutschen bzw. zum Auffrischen vorhandener Kenntnisse gedacht. Es wurde im Mai 2002 zum ersten Mal veröffentlicht. Eine zweite Ausgabe mit ergänztem Vorwort erschien im Juni 2004. Vorliegende Neuausgabe umfasst neben dem hochdeutsch-plattdeutschen auch das ursprüngliche plattdeutsch-hochdeutsche Wörterverzeichnis.
In Stoltes Wörterverzeichnis werden Substantive meistens mit dem Artikel den (Akkusativ, männlich), doe (weiblich) und dat (sächlich) vermeldet. Häufig wird auch der Dativ Singular und/oder der Plural eines Substantivs angegeben (Blatt, Bladde, Bliar). Außerdem werden die Steigerungsformen einiger Adjektive verzeichnet (stiur, stiurder, stiurste).
Bei den starken Verben wird neben dem Infinitiv eine Reihe von konjugierten Formen angegeben: 1. Person Singular Präsens, 1. Person Singular Präteritum, 1. Person Singular Optativ, 1. Person Singular Perfekt, 2. Person Singular Präsens, 2. Person Singular Präteritum. In einigen Fällen wird auch der Imperativ Singular und Plural vermeldet. In einigen Ausnahmefällen werden noch mehr Formen angegeben. Stolte hat diese Verbformen nicht ohne Grund gewählt. Aus ihnen lassen sich nämlich sämtliche konjugierte Formen eines starken Verbs ableiten. Die Systematik der starken Verben im Westfälischen ist in Flexionslehre der Mundart von Gütersloh8 von Hans Wix am Beispiel der Mundart von Gütersloh in tabellarischer Form dargestellt worden.
Olaf Bordasch
1 Daneben gibt es ein bislang unveröffentlichtes Wörterbuch von Heinrich Schöning zur Mundart Brockhagens. (Siehe dazu: Haller Platt aus Stadt und Land : von den Mundarten des Kreises und der Stadt Halle ; mit zahlreichen Deunkens und Votellseln / von [Hermann] Hartwig. - Halle (Westf.) : Meyer & Beckmann, 1952, S. 30.)
2 Wie schreibe ich die Mundart meiner Heimat? : ein Beitrag zur niederdeutschen Rechtschreibung und Mundartforschung auf der Grundlage der Ravensberger Mundart in Brockhagen und Steinhagen / Heinrich Stolte. - Leipzig : Otto Lenz, [1925]. - 88 S.
3 Bauernhof und Mundart in Ravensberg : Beiträge zur niederdeutschen Volkskunde / von Heinrich Stolte. - Bielefeld : J.D. Küster Nachf., 1931. - 120 S.
4 Hochdeutsche Übersetzung in Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg. - Jrg. 85 (1998/99). - S. 7 - 84
5 Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg. - Jrg. 85 (1998/99), S. 8
6 Ravensbergisches Idiotikon / Peter Florenz Weddigen
In: Historisch-geographisch-statistische Beschreibung der Grafschaft Ravensberg in Westphalen : aus beglaubten Urkunden, Kammerregistraturen und andern theils gedruckten theils ungedruckten Nachrichten entworfen / Peter Florenz Weddigen. - Leipzip : Weidmann, 1790
Bd. 2 ; S. 269 - 332
Weitere Veröffentlichungen finden sich in Westphälisches Magazin zur Geographie, Historie und Statistik.
7 Westfälische Grammatik : die Laute und Flexionen der Ravensbergischen Mundart mit einem Wörterbuche / Hermann Jellinghaus. - Vaduz/Liechtenstein : Sändig Reprint Verlag Wohlwend, 2001. - VIII, 156 S. ; 21 cm
(unveränderter Neudruck der Ausgabe von 1877)
ISBN 3-253-02411-3
8 Studien zur westfälischen Dialektgeographie im Süden des Teutoburger Waldes / Hans Wix. - Marburg : N.G. Elwert'sche Verlagsbuchhandlung, 1921. - VIII,
S. 82-108
| Letzte Änderung: 22. März 2009 | Kontakt | Start |