Ein Denkanstoß zur niederdeutschen Rechtschreibung



Auf dieser Webseite findet sich ein von mir in das Westfälische übersetzter Text.

Derselbe Text, dieselbe Mundart. Dies aber in zwei Schreibweisen:

  1. sassische (mittelniederdeutsche) Schreibweise (orientiert an den Schreibgewohnheiten des 16. Jhs.),
  2. phonetische Schreibweise.

Hiermit verbinde ich die folgenden Thesen:

  1. Phonetische Schreibweise ist für alle interessant, die die Mundart näher kennenlernen möchten. Phonetische Schreibweise kann zu didaktischen Zwecken in der Region gebraucht werden.
  2. Sassische Schreibweise hingegen ist geeignet für Literatur, die in anderen niederdeutschen Mundartregionen gelesen werden soll.
  3. Sassische Schreibweise würde den kulturellen Austausch mit dem nahe verwandten niederländischen Sprachraum erleichtern.
  4. Sassische Schreibweise würde das moderne Niederdeutsche in die Tradition der überlieferten Literatur stellen.
  5. Sassische Schreibweise würde dazu führen, dass man das Niederdeutsche als Sprache ernst nimmt.

Die alte sassische Schriftsprache ist im 17. Jh. untergegangen. Im 19. Jh. begannen einige Autoren, das Niederdeutsche wieder zu schreiben. Damit war die Hoffnung verbunden, dass das Niederdeutsche wieder eine vollwertige Schriftsprache wie im Mittelalter werden könnte. Dieser Versuch ist gescheitert. Ich sehe den Grund für diesen Misserfolg in dem Umstand, dass die Autoren des 19. Jhs. vom hochdeutschen Lautwert der einzelnen Buchstaben ausgegangen sind. Mit anderen Worten: Man hat lautmalerisch (phonetisch) geschrieben. Die Folge der phonetischen Schreibweise war, dass die Unterschiede der verschiedenen niederdeutschen Dialekte noch größer gemacht wurden, als sie ohnehin schon sind. Alle Versuche eine im ganzen niederdeutschen Raume akzeptierte Schriftsprache zu schaffen, sind letzten Endes an der phonetischen Schreibweise gescheitert.

Den meisten heutigen Niederdeutschen kommen die alten mittelniederdeutschen Bücher und Inschriften sicher sehr fremdartig vor. Das späte Mittelniederdeutsche des 16. Jhs. und 17. Jhs. ist aber eigentlich gar nicht so anders. Man könnte diese Entwicklungsstufe vielmehr als eine Art frühes modernes Niederdeutsch bezeichnen. Das Problem liegt darin, dass man die alten Texte unwillkürlich auf hochdeutsche Weise lesen will. Das führt zu Ergebnissen, wie wenn man englische oder französische Texte auf deutsche Weise aussprechen wollte.

Wenn man auf die alte sasssische Weise schreibt, sind gewiss nicht alle Probleme des Niederdeutschen aus der Welt geschafft. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Mundarten würden aber in der geschriebenen Sprache auf ein normales Maß reduziert. Ich wage jedenfalls zu behaupten, dass unten stehender auf sassische Weise geschriebener westfälischer Text, für einen Leser aus Hamburg oder Schleswig-Holstein durchaus akzeptabel ist, was bei dem phonetischen Text wohl kaum der Fall sein dürfte.

Sassische Schreibweise würde zudem den Zusammenhang mit der alten mittelniederdeutschen Literatur wiederherstellen. Es wäre leichter, bestimmte alte Wörter und Ausdrücke, die das heutige Niederdeutsche verloren hat, wieder einzuführen. Wenn man wirklich Ernst machen will mit einer vollwertigen niederdeutschen Schriftsprache, wäre genau das nötig. Ich wage zu behaupten, dass das Niederdeutsche heute eine vollwertige Schriftsprache und international anerkannte Minderheitensprache wie Friesisch oder Walisisch wäre, wenn man im 19. Jh. gleich auf sassische Weise zu schreiben begonnen hätte.

Ich bekenne gern, dass ich mich für unten stehenden Versuch an der Schreibweise der Bugenhagenbibel (Ausgabe: Wittenberg 1599/1600) orientiert habe, von der ich in einer Reihe von Punkten, die mir unstimmig erschienen, abgewichen bin.

O.B.





Dokter Martin Luther syn Lütke Katechism

Übersetzung in das Ostwestfälische in zwei Schreibweisen


Sassische Schreibweise Phonetische Schreibweise
Dat erste hauptstücke1 Dat erste Hauptstücke
Dat erste gebodt
Ik sin de Heer, dyn godt, du salst nich annere gödder hebben nëven my.
Dat äirste Gebott
Ik sin de Her, diin Guot, Du sallst nich annere Güöter häwwen niäwen mi.
Wat is dat?
Wy sölt över alle dinge vruchten vör godt hebben, en leyf hebben un em vertruwwen.
Wat is dat?
Wi söllt üawer ålle Dinge Fruchten för Guot häbben, üan läif häbben un üam vertruwwen.
Dat tweyde gebodt
Du salst den naemen van dynen Heren, dynem godt nich unnütte bruken; denn de Heer sal den nich ane straffe wechkamen laten, de synen naemen misbrukt.
Dat twäide Gebott
Du sallst den Namen van diinen Heren, diinem Guot nich unnütte bruken; denn de Her sall den nich åne Straffe wegkuomen låten, de siinen Namen misbrukt.
Wat is dat?
Wy sölt vruchten vör godt hebben un en leyf hebben, dat wy by synen naemen nich vlöket, swërt, tövert, leyget of bedreyget. Wy sölt en in alle nodt anroepen, bën, laven un danken.
Wat is dat?
Wi söllt Fruchten för Guot häbben un üan läif häbben, dat wi bi siinen Namen nich flöüket, swiärt, töüwert, läiget of bedräiget. Wi söllt üan in ålle Naut anroupen, biän, luawen un danken.
Dat drüdde gebodt
Du salst den vyrdach hillich holen.
Dat drüdde Gebott
Du sallst den Fiirdag hillig haulen.
Wat is dat?
Wy sölt vruchten vör godt hebben un en leyf hebben, dat wy de prëge un syn wordt nich verachtet. Wy sölt et hillich holen, et gerne hören un leren.
Wat is dat?
Wi söllt Fruchten för Guot häbben un üan läif häbben, dat wi de Priege un siin Wourd nich verachtet. Wi söllt et hillig haulen, et gerne haiern un leren.
Dat verde gebodt
Du salst vadder un mudder eren, up dat et dy gudt2 geyt un du lange lëvest up ern.
Dat väirde Gebott
Du sallst Fadder un Mudder eren, up dat et di guet gäit un du lange liäwest up Ern.
Wat is dat?
Wy sölt vruchten vör godt hebben un en leyf hebben, dat wy use ellern un heren nich verachtet of vertört. Wy sölt se in eren holen, ër deynen, up se lustern un se leyf un werdt hebben.
Wat is dat?
Wi söllt Fruchten för Guot häbben un üan läif häbben, dat wi use Ellern un Heren nich verachtet of vertört. Wi söllt se in Eren haulen, iär däinen, up se lustern un se läif un wert häbben.
Dat vifte gebodt
Du salst nich dodtslan.
Dat fiffte Gebott
Du sallst nich dautslån.
Wat is dat?
Wy sölt vruchten vör godt hebben un en leyf hebben, dat wy usen neichsten an synen lyve ninnen schaeden of leidt doet.
Wat is dat?
Wi söllt Fruchten för Guot häbben un üan läif häbben, dat wi usen Naichsten an siinen Liiwe ninnen Schaden of Laid dout.
Dat seste gebodt
Du salst nich ehebrëken.
Dat sesste Gebott
Du sallst nich ehebriäken.
Wat is dat?
Wy sölt vruchten vör godt hebben un en leyf hebben, dat wy küsk lëvet in wöeren un wërken un dat jedereyn synen man of syne vruwwen leyf het un ert.
Wat is dat?
Wi söllt Fruchten för Guot häbben un üan läif häbben, dat wi küsk liäwet in Wöüren un Wiärken un dat jederäin siinen Mann of siine Fruwwen läif hät un ert.
Dat sëvende gebodt
Du salst nich stëlen.
Dat siewende Gebott
Du sallst nich stiälen.
Wat is dat?
Wy sölt vruchten vör godt hebben un en leyf hebben, dat wy nich usen neichsten syn gelt of gudt wegnëmet of met bedroch an us bringet. Wy möt em bystan un syne saeken waeren.
Wat is dat?
Wi söllt Fruchten för Guot häbben un üan läif häbben, dat wi nich usen Naichsten siin Geld of Guet wegniemet of met Bedroch an us bringet. Wi müöt üam bistån un siine Saken waren.
Dat achte gebodt
Du salst nich falsk tüchnis küern gëgen dynen neichsten.
Dat achte Gebott
Du sallst nich falsk Tügnis küern giegen diinen Naichsten.
Wat is dat?
Wy sölt vruchten vör godt hebben un en leyf hebben, dat wy usen neichsten nich beleyget, en verran of över en hërteyt. Wy sölt us by em entschülligen, gudt över en küern un alles inne vissen bringen.
Wat is dat?
Wi söllt Fruchten för Guot häbben un üan läif häbben, dat wi usen Naichsten nich beläiget, üan verrån of üawer üan hiärtäit. Wi söllt us bi üam entschülligen, guet üawer üan küern un ålles inne Fissen bringen.
Dat nëgede gebodt
Du salst nich begern dynen neichsten syn hus.
Dat niegede Gebott
Du sallst nich begäirn diinen Naichsten siin Hus.
Wat is dat?
Wy sölt vruchten vör godt hebben un en leyf hebben, dat wy nich usen neichsten syn ërve of hus hebben wilt of et em aflünset. Wy möt dat vör en bewaeren un beholen.
Wat is dat?
Wi söllt Fruchten för Guot häbben un üan läif häbben, dat wi nich usen Naichsten siin Iärwe of Hus häbben willt of et üam aflünset. Wi müöt dat för üan bewaren un behaulen.
Dat teggede gebodt
Du salst nich willen hebben dynen neichsten syn wyf, knecht, maegedt, vey of alles, wat synt is.
Dat teggede Gebott
Du sallst nich willen häbben diinen Naichsten siin Wiif, Knecht, Maged, Väi of ålles, wat siint is.
Wat is dat?
Wy sölt vruchten vör godt hebben un en leyf hebben, dat wy nich usen neichsten syn wyf, deynste odder vey met nücke wegnëmet. Wy möt darvör sorgen, dat düsse blyvet un doet, wat se schüllich sint.
Wat is dat?
Wi söllt Fruchten för Guot häbben un üan läif häbben, dat wi nich usen Naichsten siin Wiif, Däinste odder Väi met Nücke wegniemet. Wi müöt dårför suargen, dat düöse bliiwet un dout, wat se schüllig sind.
Wat secht godt nu van allen düssen gebodten?

Hey secht:
Wat seggt Guot nu van ållen düösen Gebodten?

He seggt:
Ik, de Heer, dyn godt, sin eyn yvrigen godt, de de sünnen vanne olen, wenn dey niks van my wëten wollen, vergüllt bet in´t drüdde un verde ledt. Wenn se my awwer leyf hewwet un myne gebodte holt, doe ik ër guds bet in´t dusendste ledt. Ik, de Her, diin Guot, sin een iwrigen Guot, de de Sünnen vanne Aulen, wenn de niks van mi wieten wollen, vergüllt bet in´t drüdde un väirde Lett. Wenn se mi åwwer3 läif häwwet un miine Gebotte hault, do ik iär Guets bet in´t dusendste Lett.
Wat is dat?
Godt sal alle straffen, de syne gebodte övertrët; darümme söl wy vruchten hebben vör synen verdreyt un niks gëgen söcke gebodte doen. Hey secht awwer allen gnaede un gude gaeven toe, de sick an söcke gebodte holt; darümme söl wy en leyf hebben un em vertruwwen un gerne na synen gebodten lëven.
Wat is dat?
Guot sall ålle straffen, de siine Gebotte üawertriät; dårümme söll wi Fruchten häbben för siinen Verdräit un niks giegen süöke Gebotte doun. He seggt åwwer ållen Gnade un gue'e Gawen tou, de sik an süöke Gebotte hault; dårümme söll wi üan läif häbben un üam vertruwwen un gerne nå siinen Gebotten liäwen.
   
Dat tweyde hauptstücke: de gloven Dat twäide Hauptstücke: de Glauwen
De erste artikel: van de schöppenge De erste Artikel: van de Schöppenge
Ik glöve an godt, den vadder, den allmechtigen,
de hëmel un ern schaffet het.
Ik glaiwe an Guot, den Vadder, den Ållmächtigen,
de Hiemel un Ern schaffet hät.
Wat is dat?
Ik glöve, dat my godt schaffet het un alles, wat lëvet,
my lyf un seyle, ogen, oren un alle glëder,
verstant un alle sinne gëven het un no bewaert;
dartoe kleier un schoe, ëten un drinken, hus un hoff,
wyf un kynt, acker, vey un alles gudt;
met alle nodtdruft un nërenge van düt lyf un lëven
my rykelk un dechlick versorget,
gëgen alle gevar beschërmet
un my för allen övel behött un bewaert;
un dat alles men ut vedderlicke, gödtlicke gudtheyt
un barmhartichkeyt,
ane myn verdeynst of dat ik et werdt sin:
för düt alles mot ik em danken un laven,
em deynen un up en lustern.
Dat is wisse war.
Wat is dat?
Ik glaiwe, dat mi Guot schaffet hät un ålles, wat liäwet,
mi Liif un Säile, Augen, Auern un ålle Gliä'r,
Verstand un ålle Sinne giewen hät un no bewart;
dårtou Klaier un Schou, Iäten un Drinken, Hus un Hoff,
Wiif un Kiind, Acker, Väi un ålles Guet;
met ålle Nautdruft un Niär'nge van düt Liif un Liäwen
mi riikelk un dägglick versuarget,
giegen ålle Gefår beschiärmet
un mi för ållen Üewel behött un bewart;
un dat ålles män ut vädderlicke, güötlicke Guethäit
un Barmhartigkäit,
åne miin Verdäinst of dat ik et wert sin:
för düt ålles mott ik üam danken un luawen,
üam däinen un up üan lustern.
Dat is wisse wår.

De tweyde artikel: van de verlösenge De tweede Artikel: van de Verlöüsenge
Un an Jesus Kristus,
synen inbaren sane, usen heren,
entvangen dör den hilligen geyst,
gebaren van de jungver Maria,
lëden unner Pontius Pilatus,
krüsigt, starven un begraeven,
hendaelstëgen in dat ryk van den dode,
an den drüdden daege upstan van de doden
upvart in den hëmel,
hey sit toe' r rechten van godt, dem allmechtigen vadder,
van dar sal hey kamen,
toe richten de lebennigen un de doden.
Un an Jesus Kristus,
siinen inbuaren Suone, usen Heren,
entfangen dür den Hilligen Gäist,
gebuaren vanne Jungfer Maria,
lie'n unner Pontius Pilatus,
krüsigt, stuarwen un begrawen,
hendalstiegen in dat Riik vannen Dau'e,
annen drüdden Dage upstån vanne Dau'en,
upfort innen Hiemel,
he sitt tou ´r Rechten van Guot, dem ållmächtigen Vadder,
van dår sall he kuomen,
tou richten de Lebännigen un de Dau'en.
Wat is dat?
Ik glöve, dat Jesus Kristus,
waraftig godt
van den vadder in ewichkeyt gebaren
un ok waraftig minske
van de jungver Maria gebaren,
myn heer is,
de my vertwalen un veygen minsken reddet het,
un verwarven un wonnen ut alle sünnen,
ut den dode un ut den düvel syne macht;
nich met golt of sülver,
wol awwer met syn hillich, dür bloet
un met syn unschüllich lëden un stërven;
up dat ik syn eygen sin
un in synen ryke unner em lëve un em deyne
in ewige gerechtichkeyt, unschult un sëlichkeyt,
so as he upstan is van den dode,
lëvet un regeret in ewichkeyt.
Dat is wisse war.
Wat is dat?
Ik glaiwe, dat Jesus Kristus,
wåraftig Guot
vannen Vadder in Eewigkäit gebuaren
un auk wåraftig Minske
vanne Jungfer Maria gebuaren,
miin Her is,
de mi vertwualen un fäigen Minsken reddet hät,
un verwuarwen un wonnen ut ålle Sünnen,
ut den Dau'e un ut den Düwel siine Macht;
nich met Gold of Sülwer,
wual åwwer met siin hillig, düür Blout
un met siin unschüllig Lie'n un Stiärwen;
up dat ik siin äigen sin
un in siinen Riike unner üam liäwe un üam däine
in ewige Gerechtegkäit, Unschuld un Siälegkäit,
sau ås he upstån is vannen Dau'e,
liäwet un regeret in Ewigkäit.
Dat is wisse wår.
De drüdde artikel: van de hilligenge De drüdde Artikel: van de Hil'genge
Ik glöve an den hilligen geyst,
de hillige kristlicke kerken, gemeynskop van de hilligen,
vergifnisse van de sünnen,
wërupstan van de doden un dat ewige lëven.
Amen.
Ik glaiwe an den Hilligen Gäist,
de hillige kristlicke Kerken, Gemäinskup vanne Hilligen,
Vergiffnisse vanne Sünnen,
Wierupstån vanne Dau'en un dat ewige Liäwen.
Amen.
Wat is dat?
Ik glöve, dat ik nich ut eygen verstanne odder kraft,
an Jesus Kristus, mynen heren, glöven
of na em henkamen kan;
awwer dat de hillige geyst my dör de gude badtskop
beroepen un met syne gaeven my lüchtet
un innen rechten gloven hillich maeket un bewaeret het;
so as hey de ganse kristenheyt up ern röppt,
sammelt, ër lüchtet, hilliget un by Jesus Kristus bewaert
innen rechten, eynen gloven;
in düsse kristenheyt vergift hey my un allen glövigen
jeden dach rykelk alle sünnen
un annen jüncksten daege sal hey my un alle doden upwecken
un my un allen glövigen in Kristus
eyn ewich lëven gëven.
Dat is wisse war.
Wat is dat?
Ik glaiwe, dat ik nich ut äigen Verstanne odder Kraft,
an Jesus Kristus, miinen Heren, glaiwen
of nå üam henkuomen kann;
owwer dat de Hillige Gäist mi dür de gue'e Bua'skup
beroupen un met siine Gawen mi lüchtet
un innen rechten Glauwen hillig maket un bewaret hät;
sau ås he de ganse Kristenhäit up Ern röppt,
sammelt, iär lüchtet, hilliget un bi Jesus Kristus bewart
innen rechten, äinen Glauwen;
in düöse Kristenhäit vergifft he mi un ållen Glaiwigen
jeden Dag riikelk ålle Sünnen
un annen jüngsten Dage sall he mi un ålle Dau'en upwecken
un mi un ållen Glaiwigen in Kristus
äin ewig Liäwen giewen.
Dat is wisse wår.




1 Das Wort haupt- ist hochdeutschen Ursprungs und kann nicht angemessen in sassischer Schreibweise wiedergegeben werden. Ebenso wenig lassen sich die meisten englischen oder französischen Lehnwörter adäquat in deutscher Schreibweise wiedergeben, weswegen dieses auch meistens unterlassen wird. Es liegt, wenn man so will, ein weiterer Vorteil der sassischen Schreibweise darin, dass hochdeutsche Lehnwörter sofort als solche erkannt werden, was sonst nicht immer der Fall wäre.

2 Es wird in der germanistischen Literatur behauptet, dass das westfälische Wort gued auf eine Weise entstanden ist, die nicht den für das Niederdeutsche geltenden Sprachgesetzen entspricht und also falsch ist. Hierdurch habe ich mich anfangs verleiten lassen, die Form goedt (sprich: goud) zu gebrauchen, die es im Westfälischen auch gibt. Später habe ich entdeckt, dass die Form gudt im Mittelniederdeutschen weit verbreitet war. Sollte das Wort gudt tatsächlich eine Art Entgleisung sein, wie in der Literatur behauptet wird, dann ist diese Entgleisung sehr alt und war zudem über das ganze niederdeutsche Sprachgebiet verbreitet.

3 Das Wort åwwer (aber) ist hochdeutscher Herkunft und sorgt für einige Verwirrung im sassischen Schriftbild.



Stand: 30. Mai 2010 Kontakt Startseite